
Abbildung 1: Die Startseite von Profound stellt Zitationsquellen und Prompt-Nachfragedaten für Enterprise-Marken in den Vordergrund.
1. Was ist Profound?
Profound ist eine US-amerikanische Plattform für Sichtbarkeit in KI-Assistenten mit klarer Ausrichtung auf Enterprise- und Mid-Market-Kunden. Das Unternehmen sammelte nach eigenen Angaben 35 Millionen US-Dollar in einer Series-B-Runde unter Beteiligung von Kleiner Perkins und positioniert sich als vollständige Marketingplattform für die Ära der KI-Suche. Referenzkunden sind laut Anbieter unter anderem Ramp, Figma, Walmart und MongoDB.
1.1 Herkunft und DACH-Bezug
Profound hat seinen Sitz in den USA und rechnet ausschließlich in US-Dollar ab. Für deutsche, österreichische und Schweizer Teams bedeutet das einen zusätzlichen Umrechnungsschritt bei jeder Budgetplanung sowie ein Wechselkursrisiko bei mehrjährigen Verträgen. Eine deutschsprachige Bedienoberfläche oder ein eigener deutschsprachiger Support-Kanal sind öffentlich nicht dokumentiert. Im Vergleich zu Peec AI aus Berlin oder Otterly.AI aus Wien fehlt Profound damit sowohl der europäische Firmensitz als auch die native Euro-Abrechnung, zwei Kriterien, die für DACH-Einkaufsprozesse regelmäßig den Ausschlag geben.
2. Preise (Stand: Juli 2026)
Profound rechnet nativ in US-Dollar ab; für die Vergleichbarkeit mit den übrigen Programmen in diesem Testfeld übernimmt dieser Prüfbericht den identischen Zahlenwert mit Euro-Zeichen, denselben Ansatz, den auch die Testfeld-Übersicht verwendet. Bei tagesaktuellem Wechselkurs können die tatsächlichen Eurobeträge geringfügig abweichen:
- Starter: 99 € pro Monat, ausschließlich ChatGPT, 50 Prompts
- Growth: 399 € pro Monat, vollständige Engine-Abdeckung, bis zu 100 Prompts täglich
- Enterprise: individuelles Angebot, inklusive API-Zugang, SSO/SAML, SOC-2-Type-II-Zertifizierung und persönlichem Stratege
Der Starter-Tarif wirkt auf den ersten Blick günstig, deckt in der Praxis aber nur ChatGPT ab und reicht für ein belastbares KI-SEO-Programm kaum aus. Wer die vollständige Engine-Abdeckung braucht, landet beim Growth-Tarif und damit real bei 399 € im Monat, drei- bis viermal so hoch wie vergleichbare Einstiegstarife anderer Anbieter im Testfeld.
3. Funktionsumfang und Stärken
Profound trackt Markennennungen über ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews, Microsoft Copilot, Gemini, Meta AI und DeepSeek und erreicht damit die breiteste Engine-Abdeckung im gesamten Testfeld. Die Zitationskarten zeigen exakt, welche URLs in eine KI-Antwort einfließen und wie oft eine bestimmte Quelle zitiert wird, deutlich granularer als bei vielen Wettbewerbern.
Ein Merkmal sticht im Test besonders hervor: Prompt Volumes. Die Funktion zeigt, wie oft bestimmte Fragen tatsächlich an KI-Assistenten gestellt werden, bevor ein Nutzer überhaupt auf die eigene Website gelangt. Das liefert echte Nachfragedaten für die Content-Planung, nicht nur eine Auswertung im Nachhinein. Die integrierten Content-Agenten übersetzen erkannte Sichtbarkeitslücken direkt in Briefings und Textentwürfe, sodass Analyse und Content-Produktion im selben Werkzeug stattfinden.
Zusätzlich wertet die Agent-Analytics-Funktion aus, wie KI-Crawler eine Website besuchen und interpretieren, mit direkter GA4-Anbindung. Für Marken mit E-Commerce-Fokus kommt eine Shopping-Auswertung hinzu, die Produktplatzierungen im ChatGPT-Shopping-Kontext verfolgt.
4. Schwächen im Test
Der auffälligste Schwachpunkt für dieses Testfeld ist die fehlende Mandantenfähigkeit. Profound erlaubt nur ein Markenprofil pro Konto, eine Agentur, die mehrere Kundenmarken betreuen will, benötigt für jede Marke ein separates, vollpreisiges Konto. Das schließt Profound für die klassische Agenturnutzung praktisch aus, ein Bereich, in dem Peec AI mit unbegrenzten Nutzerplätzen deutlich vorn liegt.
Hinzu kommt die Preisstruktur selbst: Der Starter-Tarif ist für ein reales KI-SEO-Programm zu eng gefasst, der praxistaugliche Einstieg beim Growth-Tarif liegt real bei 399 €. Für die Traffic-Zuordnung setzt Profound zudem auf CDN-Integrationen wie Cloudflare, Akamai oder CloudFront, was bei großen E-Commerce-Seiten gut funktioniert, bei kleineren SaaS-Anbietern und KMU aber Lücken in der Datenerfassung hinterlässt.
Für DACH-Teams wiegt zusätzlich die fehlende Euro-Abrechnung schwer. Wer Rechnungen intern in Euro budgetieren muss, trägt bei Profound dauerhaft ein Wechselkursrisiko, das bei europäischen Anbietern wie Peec AI oder Otterly.AI schlicht entfällt.
5. Für wen eignet sich Profound, für wen nicht?
Profound passt zu Enterprise-Marken und großen E-Commerce-Anbietern mit eigenem KI-SEO-Team, das die tiefsten verfügbaren Zitationsdaten und echte Prompt-Nachfragedaten für die Content-Planung braucht und ein US-Dollar-Budget dafür einplanen kann. Auch Mid-Market-Teams mit dediziertem Analysten-Personal können vom breiten Funktionsumfang profitieren.
Weniger geeignet ist Profound für Agenturen, die mehrere Kundenmarken auf einem gemeinsamen Konto führen wollen, sowie für DACH-Teams, die zwingend in Euro abrechnen oder auf deutschsprachigen Support angewiesen sind. Wer eine Komplettlösung sucht, die Sichtbarkeitsmessung, Content-Erstellung, technische Audits und Bot-Traffic-Analyse in einem einzigen, in Euro bepreisten Abonnement bündelt und dabei ohne Vertriebsgespräch startet, findet im Prüfbericht zu Temso die praktikablere Alternative. Wer stattdessen eine europäische Agenturlösung mit unbegrenzten Nutzerplätzen sucht, vergleicht zusätzlich den Prüfbericht zu Peec AI.
Testurteil: befriedigend (2,6). Profound liefert im Testfeld die tiefsten Zitationsdaten und die breiteste Engine-Abdeckung, verliert aber deutlich an Punkten, weil weder Euro-Abrechnung noch Agentur-Mandantenfähigkeit noch deutschsprachiger Support vorhanden sind. Die vollständige Rangliste mit allen Punktzahlen steht auf der Übersichtsseite.